Gedanken | Ideen | Perspektiven

Das ist so eine Sache mit dem Privaten

von Emanuela Kraxner

Soziale Medien ermöglichen das Teilen von privaten Informationen. Emanuela Kraxner versuchte, mit einer Freundin über eine Privatsache, die in den sozialen Medien besprochen wurde, persönlich zu sprechen – und stieß an eine irritierende Grenze.
"Privat" (c) Emanuela Kraxner und Mahmoud Al Bakeet
„Privat“ (c) Emanuela Kraxner und Mahmoud Al Bakeet

Mein Zimmer ist privat, mein Handy ist privat, mein Computer ist privat, mein Notizbuch ist privat, meine Gedanken sind privat.

Wenn jemand diesen Dingen zu nahe kommt und anfängt in meiner Privatsphäre herumzuwühlen, werde ich nervös. Diese Dinge spiegeln meine Persönlichkeit.

Ich schätze meine Privatsphäre sehr. Deshalb versteh ich nicht, wie man sein intimstes Privates veröffentlicht. Über Social Media habe ich erfahren, dass X von ihrem Freund verlassen wurde. Mit herzzerreißenden Sprüchen versucht sie nun Aufmerksamkeit zu erlangen. Aber wenn man sie darauf anspricht möchte sie nicht darüber reden. Wieso veröffentlichst du es dann? Warum setzt du dich dem Spott der Menschen aus, die sich so nicht in dich einfühlen können? Ich versteh dich auch nicht. Ich sehe zwar, dass es dir schlecht geht und kann dich aber trotzdem nicht ernst nehmen, weil du es in dem Moment ins Lächerliche gezogen hast, als du es für hunderte Menschen öffentlich gemacht hast.

Schon klar, wir veröffentlichen immer mehr und halten weniger privat, aber um Aufmerksamkeit betteln und dann verweigern, etwas preis zu geben ist für mich ein Paradox. Das macht keinen Sinn. Entscheide dich für eines, oder lass es gleich bleiben. Bitte.

Immer wieder lese ich solche Postings und rege mich darüber auf. Was geht es uns an?  Wir sind nicht deine realen Freunde, melde dich bei deinen echten Vertrauten und teile nicht jeder x-beliebigen Person deine Gedanken mit.

Allerdings muss ich zugeben, dass auch ich zu Klatsch und Tratsch nicht immer nein sagen kann. Diese Lebensgeschichten, die ich manchmal auf meinem Facebook Feed lese, sind wie Unfälle, bei denen ich nicht wegsehen kann. Und trotzdem kann ich es nicht nachvollziehen. Fühlt man sich nicht nackt und schutzlos, wenn man einer Menge von oft fremden Menschen einen derart tiefen Einblick in seine Gefühlswelt gibt?

"Privat?" (c) Emanuela Kraxner und Mahmoud Al Bakeet
„Privat?“ (c) Emanuela Kraxner und Mahmoud Al Bakeet

 

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