Gedanken | Ideen | Perspektiven

Dunkles vom Leben im Licht

Von Jonas Rizwan

Am Theater werden grundlegende Fragen gestellt. Rizwan Sultami denkt über die Bedeutung des Lebens nach und erzählt die Geschichte eines achtjährigen Wasserverkäufers.

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Ich beginne mit der Frage: Was ist das Leben? Das Leben ist ein einziger Kampf. Das Leben im Dunklen scheint wie die Hölle. Jeder Mensch erfährt Höhen und Tiefen in seinem Leben. Die Menschen sind aber nicht gleich. Wenn sie gleich wären, dann wäre es ja kein wirkliches Leben. Ich selber habe viele Höhen und Tiefen erlebt und werde noch viele erleben.

Ich will aber nicht von meinem Leben erzählen. Unter dem Titel “Dunkles vom Leben im Licht” will ich vom Leben eines Wasserverkäufers erzählen. Dieser Wasserverkäufer ist niemand anderes als ein kleiner achtjähriger Bub, der seinen Vater verlor als er sieben war. Der Junge lebte mit seiner Mutter und seiner Großmutter und stand dann im Dunklen des Lebens dem Licht der Tatsachen gegenüber. Schon ein Jahr nach dem Tod seines Vaters war er gezwungen, Geld für sich und seine Mutter zu verdienen. Die Mutter des Jungen war zwar jung, aber in jener Gesellschaft durfte sie nicht arbeiten, um Geld zu verdienen. Weil sie eine Frau war. Der Junge war zwar sehr klein, aber sehr gescheit. Er verkaufte Wasser, wusch Autos und zudem ging er auch in die Schule. Er hatte es schließlich durch seinen eigenen Fleiß so weit gebracht, dass er das Dunkle seines Lebens erhellte.

Es ist jetzt zwei Jahre her, dass ich meine Heimat, Afghanistan, wegen des Krieges verlassen habe. Unterwegs habe ich viele Probleme überwunden, bis ich nach einem Monat hier in Österreich angekommen bin. Ich gab mir dann Mühe die hiesige Sprache zu lernen. Ohne die Sprache ist man ein halber Mensch. Ich bemühte mich sehr die Sprachkenntnisse durch den häufigen Kontakt zu den Menschen zu verbessern.

Letztes Jahr lernte ich das Schauspielhaus Graz kennen. Jetzt bin ich wieder hier. Eines Abends schauten wir uns „Der Auftrag: Dantons Tod“ an. Die Vorstellung ging zu Ende und wir begaben uns in die Kantine. Ich war sehr vom Stück ergriffen. Eine Freundin sprach mich an: “Rizwan, was hast du denn?” Ich antwortete ihr: “Ich fühle mich sehr klein.” “Warum?” fragte sie. Ich antwortete ihr: “Schau dir diese bekannten, großartigen Künstler an! Ich fühle mich unter ihnen sehr klein. Meine Freundin sagte mir dann: “Nein, es stimmt nicht! Denk nicht so! Fühle dich niemals klein!” Ich antwortete dann meiner Freundin: “Es stimmt, ich will auch so ein großer Mensch werden wie diese Schauspieler, so dass man auf mich stolz sein kann. Meine Freundin sagte dann: “Menschen können alles im Leben erreichen. Sie müssen es nur wollen.”


Aus Dari übersetzt von Farhad Madjidian.
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